Zeichen digital im Leopold Hoesch Museum

Werbeplakate der Ausstellung Gesellschaft der Zeichen in DürenDa Museen aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie geschlossen bleiben müssen, bot das Leopold Hoesch Museum in Düren einen ganzen Abend zur aktuellen Wechselausstellung „Piktogramme, Lebenszeichen, Emojis: Die Gesellschaft der Zeichen“ an. Dabei wurde nicht nur ein Blick in die Ausstellung gewährt und einige Gedanken zur Gestaltung  geteilt, es wurden auch inhaltliche Vorträge angeboten. So wurde über mehrere Stunden ein intensiver Einblick in das Thema Piktogramme, Zeichen und Emojis gewährt. Eine später online gestellte Seite bietet neben Videos der Veranstaltung auch reichlich Informationen zum Ausstellungsthema, was unheimlich spannend ist.

Begonnen wurde mit dem Ausstellungsrundgang mit der Leiterin des Leopold Hoesch Museums, Anja Dorn. Dabei wurde anhand von Fotos gezeigt, wie sich die Ausstellung im Haus präsentiert, welche Bereiche welche  Themen behandeln und ein  kurzer Abriss in die Entwicklung von Zeichen gewährt. Ein wenig schade war, dass hier auf Fotos anstatt Bewegtbild gesetzt wurde, vielleicht wäre hier auch ein aufgezeichneter Rundgang oder auch eine Art „Live-Rundgang“ möglich gewesen?

Das gewählte Thema der Piktogramme, Lebenszeichen und Emojis zeigt sich dabei als vielschichtig. So erfährt man, dass die ersten Piktogramme in den 1920er Jahren in Wien entwickelt wurden und das Ziel einer universellen Sprache verfolgten. Die ersten Piktogramme sind dabei noch recht realitätsnah, die Abstraktion erfolgt erst mit der Zeit. Die Olympischen Spiele 1972 in München scheinen dabei eine Rolle gespielt zu haben. Daneben wird auch das Thema Emoji aufgenommen, das Wort Emoji setzt sich aus japanischen Begriffen zusammen und hat dort auch seinen Anfang. Auch ist es ein sich ständig weiterentwickelndes Thema, denn auch für die Pandemie werden neue Zeichen entwickelt.

In einem zweiten Vortrag erhielten Zuhörerinnen und Zuhörer einen Einblick in den Entwicklungsprozess der Ausstellungsgestaltung. Warum fiel die Wahl auf die zunächst recht einfach anmutende Gestaltung? Welche Gedanken verbergen sich dahinter? Die Referentin Emi Offermann ermöglichte dabei einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Dieser verdeutlicht, wie intensiv Austellungsmacherinnen und -macher sich mit der Gestaltung beschäftigen, was Besucherinnen und Besucher gar nicht immer wahrnehmen.

Edgar Walthert sprach über Visuelle Grammatik und verdeutlichte in seinem Beitrag, dass hinter den Bildsprachen vielfach eine Grammatik steckt, die es erlaubt, komplexe Informationen mit wenigen Bildern, die entsprechend angeordnet werden, wiederzugeben. Sie erlaubt damit manchen Menschen eine tiefgründige Unterhaltung mit anderen, ohne Wort nutzen zu müssen. Gemeinsam ist den Sprachen, dass ihr Ziel stets ist, möglichst logisch aufgebaut zu sein, um es leicht zu machen, sie zu erlernen.

Wie wird eine Bildsprache möglichst universell? Die Idee der Weltzeichenschrift ist 100 Jahre alt, weiß Juli Gudehus, aber die bisher zahlreichen, verschiedenen Bildsprachen sind nicht universell einsetzbar. Daher wurde die Idee der Schwarmintelligenz entwickelt. Was wäre, wenn möglichst viele Menschen an so einer Zeichensprache mitarbeiten anstatt einige wenige? Denn unterschiedliche Menschen kommen auf ganz verschieden aussehende Zeichen, daher würde die allgemeine Akzeptanz erhöht werden, wenn möglichst viele – natürlich im Idealfall auch aus vielen verschiedenen Kulturkreisen – mitarbeiten und so eine tatsächlich universelle Bildsprache entwickeln.

Einige Begriffe sortieren Johannes Bergerhausen und Ilka Helmig in einem kurzen Beitrag. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie ein Zeichen sowohl ein Bildzeichen, also ein Piktogramm, aber auch ein Ideogramm und damit ein Begriffszeichen sein kann. Und auch in die Entwicklung verschiedener Alphabete wurde ein kurzer Einblick gewährt und manch erstaunliches sichtbar.

Im letzten Beitrag des Abends sprach Timothée Ingen-Housz über die Sprache „Elephant’s memory“, die besonders durch ihre flexible Lesart auffällt. Die Sätze müssen nicht konsequent von links nach rechts oder von rechts nach links gelesen werden. Vielmehr kann das ständig neu entschieden werden, auch die Lesart von oben nach unten ist denkbar. Der Satz verändert sich somit in der „Übersetzung“ zwar im Aufbau, bleibt im Kern jedoch ständig gleich. Wichtig sind vielmehr die Positionen der einzelnen Zeichen zueinander sowie ihre Ausgestaltung.

Insgesamt entstand so ein äußerst informativer Abend, der für mich eine Entschädigung dafür darstellte, dass ein Besuch im Januar nicht möglich war und bot neben einem Blick in die Ausstellung sowie der Gestaltung dahinter auch Einblicke in Forschungen rund um das Thema Piktogramme, Zeichen und Emojis.

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