Damenwahl in Frankfurt

Die ersten Parlamentarierinnen

Zum Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht gab es eine Menge Publikationen, neue Forschungsergebnisse und auch Ausstellungen, Radiobeiträge oder Filme. Wo anfangen und mit welchen Aspekten sich genauer beschäftigen? Da wäre die Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt, die ich Ende Dezember 2018 besuchte.

Mit meiner Familie nahm ich an einer Führung teil – leider waren es deutlich zu viele Menschen für die relativ kleinen Räume. So musste hin und wieder die Entscheidung zwischen Objekt genauer anschauen und weiter zuhören getroffen werden. Auch kann ich das Interesse für die Materie als Historikerin absolut nachvollziehen, trotzdem denke ich, dass zwei Stunden für viele recht lang sind, um aufmerksam zuhören zu können.

Aber nun zum Inhaltlichen. Wie die meisten Ansätze startet die Ausstellung zum Jubiläum lange vor 1919. Sie beginnt im 19. Jahrhundert, zeigt den Ausgangspunkt der Frauenbewegung in Deutschland, in Frankfurt aber auch die Entwicklung als europäisches Phänomen.

Im Eingangsbereich zeigt sich die Veränderung der Mode. Vom Korsett, das Frauen in ihren Bewegungen und damit Aktivitäten einengte, verschwand mehr und mehr. Auch andere Veränderungen des Kaiserreichs als Ausgangspunkt für die Frauenbewegung wurden angesprochen, die steigende Mobilität in Form des Fahrrads oder auch gesetzliche Änderungen. Auch die frühe Zeit konnte dabei erstaunlich viele Exponate vorweisen – von Kleidung über Werbung bis zu Fotografien.

Sehr gut gefiel mir, dass alle zeitlichen Abschnitte mit wichtigen Protagonistinnen eingeführt wurde. Es waren immer drei – die meisten von ihnen über den jeweiligen Abschnitt hinaus bedeutend. Trotzdem war die Auswahl durchdacht und zusätzliche Karten stellten die Damen näher vor.

Zeitgenössische Literatur und Flugblätter

Ein erster zentraler Bereich war das beginnende 20. Jahrhundert. Vier Themen sahen die Aktivistinnen dabei als zentral für die Gleichberechtigung und damit auch für die Anerkennung der Frauen als Staatsbürgerinnen. Zunächst setzte sich die Frauenbewegung für die Verbesserung der Bildung für Mädchen und Frauen ein. Zweitens sollte Haus- und Erwerbsarbeit von Frauen als solche anerkannt werden. Das dritte Thema war eine Veränderung der so genannten Sittlichkeit. Dabei stand vor allem die Gesetzgebung zur Prostitution im Fokus. Das vierte Ziel war schließlich die Einführung des Wahlrechts. Anhand von zeitgenössischer Literatur, Kunst u. a. von Käthe Kollwitz, Flugblättern und Fotos wurde diesem für die Entwicklung wichtigen Abschnitt entsprechend Raum gewidmet. Auch das Internationale fand Eingang, denn die Vernetzung mit den Frauenbewegungen anderer Länder war ein wichtiges Element. Jäh unterbrochen vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Der Bereich, der sich zeitlich mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt, zeigte anhand zahlreicher Fotos und Objekte, wie Frauen in zahlreichen Berufen „einsprangen“. Sie übernahmen Aufgaben wie Schaffnerin. Aber auch größere Zusammenhänge wurden thematisiert. Das plötzliche Ende der internationalen Zusammenarbeit, da einige Frauen den Patriotismus auch für sich als wichtige Pflicht sahen. Dies galt aber nicht für alle (so wie es sicher auch nicht für alle Männer galt – wie in allen Bereichen muss auch hier differenziert werden). Der Erste Weltkrieg verzögerte die Ziele der Frauenbewegung wohl mehr, als das er das Frauenwahlrecht beförderte.

Mit der Verkündung des Rats der Volksbeauftragten am 12. November 1918 war ein wichtiges Ziel erreicht: die Einführung eines geheimen, gleichen und allgemeinen Wahlrechts für Männer und Frauen ab 20 Jahren. Am 19. Januar 1919 konnte dieses Recht zum ersten Mal ausgeübt werden. Frauen nahmen an der Wahl zur Nationalversammlung teil, etwa 10 Prozent wurden gewählt.

Wahlzettel der Wahl zur Nationalversammlung.

Dem Bereich wurde naturgemäß großer Raum gegeben, zeitgenössische Wahlplakate wurden aufgehängt, Wahlzettel gezeigt und auch Bewegtbild kam zum Einsatz.

Auch die Zeit des Nationalsozialismus wurde beleuchtet. Hier wurden Schreibtische aufgestellt, mit persönlichen Gegenständen einiger Aktivistinnen. Sie sollten verdeutlichen, dass die bisherigen Erfolge nicht nur rückgängig gemacht wurden, die bereits eröffneten Archive zur Frauenbewegung wurden zerstört und Frauen vielfach für ihre Aktivitäten bestraft.

Die Ausstellung bezog auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und damit die Anfänge der Bundesrepublik sowie der DDR ein. Es wurden Unterschiede angerissen und auch zentrale Gesetzesentwicklungen der Bundesrepublik angesprochen. Dazu gehörte sicherlich der Hinweis, dass Frauen erst ab den 1960er Jahren ein eigenes Konto eröffnen durften.

Am Ende konnten alle Besucherinnen und Besucher ein (oder mehrere) Post-Its anbringen – darauf die eigenen Gedanken zu aktuellen feministischen Themen notiert. Eine Idee, die mir sehr gut gefällt und ich bin sehr gespannt auf die Formen der Auswertung.

Die Ausstellung bot eindrückliche Einblicke in die Frauenbewegung, zeigte Protagonistinnen und bezog auch Frankfurt als Ausstellungsort und als Ort der Frauenbewegung regelmäßig ein. Sie bot einen bemerkenswerten Einblick in die Geschichte der Frauenbewegung.

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