Mehr als Filme – „Kino der Moderne“ in der Bundeskunsthalle

Modell der Unterstadt aus dem Film Metropolis.
Modell der Unterstadt aus dem Film Metropolis.

In der Bundeskunsthalle besuchte ich vor Kurzem die Ausstellung „Kino der Moderne“ – eine Kooperation mit der Kinemathek. Sie betrachtet anhand der Filmproduktion auch die Zeit der 20er Jahre näher. Dabei steht der Film als Kunst, seine Themen und seine Entstehung im Fokus.

Bei schönstem Wetter ging es rein in den Eingangsbereich, der einfach einige Nahaufnahmen von Personen zeigte. Daneben einige Fotos, die einen kleinen Einblick in die Zeit gaben.

Auffallend war die Architektur, die einen provisorischen Charakter haben sollte – wohl ähnlich eines Filmsets. Aus dem Eingangsbereich ging es weiter in einen großen Raum, an dem neben großformatigen Bildern auf mehreren Leinwänden Filmausschnitte liefen. Soweit ich es überblicken konnte, liefen überall lediglich Filmausschnitte, was sicher eine gute Lösung ist. So kann die Vielseitigkeit des Kinos der 20er Jahre besser zum Ausdruck gebracht werden – mit seinen Möglichkeiten, Innovationen und ästhetischem Empfinden.

Von dort gingen jeweils drei Bereiche ab, die wiederum überraschend groß waren. Hier wurden Fotos, Kunstwerke der Zeit oder passende Objekte der 20er Jahre ausgestellt. Dazu gehören ein Rennwagen, ein Röntgengerät oder auch einfach eine Sprossenwand. Zwischendrin wurden immer wieder Filmausschnitte aus Filmen wie Metropolis, Tagebuch einer Verlorenen o. ä. gezeigt.

Eine Tischvitrine mit mehreren Textdokumenten.
Drehbücher der 20er Jahre.

Im ersten Bereich stand das Leben in der Großstadt im Fokus. Oft speisten sich daraus die Themen der Filme. Dazu gehörten beispielsweise Arbeitswelt, Natur, Sport oder auch zu dieser Zeit aktuellen Forschungsergebnissen wie in der Psychoanalyse.

Für den zweiten Bereich mussten die Besucherinnen und Besucher Teile des dritten durchqueren, was zunächst ein wenig irritierend war. Auf dem Boden wurde mit einer großen „2“ auf diesen Abschnitt hingewiesen, die Wandtafeln wiesen aber die Nummer „3“ auf. Nach einigen Minuten wurde klar, dass es sich um einen Nebenraum handelte. Dieser beschäftigte sich mit der Produktion der Filme.

Welche Berufsbilder gab bzw. gibt es rund um den Film? Neben den Darstellerinnen und Darstellern sind zahlreiche Menschen notwendig, um einen Film entstehen zu lassen. So wurden Cutter, Drehbuchautorinnen oder Regie vorgestellt. Etwas, das mich positiv überraschte war, dass hier stets nicht nur berühmte Männern, sondern auch ihre Kolleginnen vorgestellt wurden. Sie wurden zusätzlich recherchiert und vorgestellt. Es wäre schön, wenn dies beibehalten werden würde.

Ein Schnittplatz der 20er Jahre. Leihgabe der Kinemathek.
Ein Schnittplatz der 20er Jahre. Leihgabe der Kinemathek.

Im dritten und letzten Bereich standen Theorie und Kritik im Mittelpunkt. Hier sollte gezeigt werden, dass sich die Theorie des Films neben der praktischen Entstehung von Filmen entwickelte. Das völlig neue Medium wurde parallel methodisch erschlossen. In einem Film-Denk-Raum bestand die Möglichkeit in einigen Klassikern der Filmtheorie zu stöbern. Sowohl zu Beginn als auch zum Abschluss konnte man in einem kleinen Kinosaal Platz nehmen und sich kurze Ausschnitte z. B. des Films Nosferatu ansehen. Ein wenig schade war, dass die Räume nicht unbedingt wie in den 20er Jahren eingerichtet waren.

Am Ausgang bestand die Möglichkeit, sich mit der Rezeption der 20er Jahre zu beschäftigen. Das berühmte Beispiel war hier natürlich „Babylon Berlin“. Auf drei Monitoren wurden einmal Ausschnitte der Serie, dann die Entstehung der Aufnahmen und ein Interview der Macher zu sehen. Hier wäre es vielleicht auch interessant gewesen, evtl. nicht allzu bekannte Beispiele der Rezeption zu sehen.

Weiß gestalteter Raum mit Tisch und Sitzplätzen in der Mitte.
Die Denkwerstatt in der Ausstellung „Kino der Moderne“.

Es waren unheimlich viele Informationen, zahlreiche Fotos, Bilder, Filmausschnitte und Objekte, so dass es leider hinten raus schwierig war, entsprechend aufnahmefähig zu bleiben. Trotzdem war es sehr interessant gemacht, so dass ich gerne dort war. Schön war auch, dass explizit erwähnt wurde, dass fotografieren erlaubt ist, soweit die Objekte nicht entsprechend mit einem Verbot gekennzeichnet sind. Die Ausstellung lud oft zum Verweilen vor Filmausschnitten ein, die in ihrer Länge gut gewählt waren. Meist waren alle Szenen zusammen etwa 10 Minuten lang, was für mich eine gute Länge ist. Dadurch, dass es unterschiedliche Szenen waren, konnte man zudem zwischendrin wechseln. Dies waren gleichzeitig aber oft die einzigen Stellen, an denen Besucherinnen und Besucher aktiv werden konnten.

 

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